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1) Im Reiche der Astrobiologie ...
Der Spiegel:
Professor Conway Morris, Wissenschaftler aus Potsdam wollen einen Stern im Sternbild des Großen Bären ausgemacht haben, in dessen Planetensystem ein wohnlicher Platz wäre für eine zweite Erde. Nehmen wir an, dort hätte sich tatsächlich Leben gebildet, und nehmen wir ferner an, es wären sogar intelligente Wesen daraus hervorgegangen. Wie glauben Sie, würden diese aussehen?
  
Conway Morris:
Die meisten nehmen an, derartige Aliens müssten total anders aussehen als wir. Oberflächlich betrachtet scheint das Leben ja auch eine schier unendliche Vielfalt von Formen hervorzubringen - denken Sie nur an die Unterschiede zwischen Tulpe, Elefant, Pilz, Seetang und Bakterium. Die Wahrscheinlichkeit auf einem fernen Planeten irgendetwas zu finden, was auch nur entfernteste Ähnlichkeit mit einem Menschen hätte, mutet da verschwindend gering an. Trotzdem bin ich von dem exakten Gegenteil überzeugt.
Der Spiegel:
Das heißt also, Sie glauben, fremde Intelligenzen sähen aus wie wir?
Conway Morris:
Das halte ich für sehr wahrscheinlich.
Der Spiegel:
Und was heißt ähnlich? Sehen die Aliens mit Augen?
Conway Morris:
Ja.
Der Spiegel:
Laufen sie auf zwei Beinen?
Conway Morris:
Sehr gut möglich.
Der Spiegel:
Zirkuliert Blut in Ihnen?
Conway Morris:
Mit ziemlicher Sicherheit.
"Es sind Menschen wie wir, Randy!"
(Major Peter Hoffmann wundert sich: "Das Tor zu einer anderen Welt")
Der Spiegel:
Was Sie da über Aliens sagen, dürfte die Science - Fiction - Autoren ernüchtern...
Conway Morris:
Oh, es mangelt mir ja nicht an Vorstellungskraft. Ich glaube nur, dass der Evolution fundamentale Grenzen gesetzt sind. All die Eigenschaften, von denen Sie annehmen, sie seien so einzigartig, sind es in Wirklichkeit keineswegs: Jede von ihnen ist von der Natur mehrfach entwickelt worden - was dafür spricht, dass sie auch von Lebewesen auf anderen Planeten früher oder später entdeckt werden würden.
(...)
Der Spiegel:
Geht Ihre Argumentation aber nicht doch davon aus, dass ferne Planeten genauso aussehen wie der unsere? Wenn sie ganz andersartig wären, wenn die Tage dort zum Beispiel Jahre währen würden, wenn dort viel mehr Uran zu finden wäre, aber weniger Wasserstoff oder wenn die Schwerkraft die irdische weit überträfe, würde das nicht auch das Leben völlig anders aussehen lassen?
(...)
"Wie groß mag die Schwerkraft sein? Ich schätze sie ist etwas größer als auf der Erde.
Ich habe ein Gefühl, ja, als hätte ich Blei in den Beinen!"
(Major Hoffmann ist nicht so recht im Training)
Conway Morris:
Wer weiß? Die Größe eines möglicherweise bewohnbaren Planeten zum Beispiel ist in Wirklichkeit recht stark eingeschränkt. Wäre er nur ein wenig kleiner als die Erde, dann würde er wahrscheinlich schon bald dem Mars ähneln: Plattentektonik fände nicht statt, der Planet besäße eine deutlich dünnere Atmosphäre und wäre dann unbewohnbar. Auf einem Planeten, der etwas größer als die Erde ist, dürfte wegen der stärkeren Schwerkraft, die Landschaft eher flach sein und Ozeane fast die gesamte Oberfläche überziehen. Zugegeben: Ein solcher Ozeanplanet klingt interessant, aber das Leben in diesen Meeren sähe vermutlich nicht viel anders aus als in den irdischen.
"Das Land ist eben und übersichtlich - man wird uns sehen!"
(Commander Perkins beim Erkunden einer fremden Welt)
Der Spiegel:
Aber sind nicht sehr viel exotischere Fälle denkbar?
Conway Morris:
Es stimmt, wenn man von gänzlich anderen Welten spricht, etwa von Monden jupiterartiger Planeten, da wissen wir noch zu wenig; mag sein, dass da ganz andere Lebensformen möglich sind. Insofern: Betrachten Sie meine Argumente zunächst nur für erdähnliche Planeten.
Der Spiegel:
Nun gut, dann eben für diese: Dort ist doch offenbar, Ihrer Argumentation zufolge, die Entstehung von intelligenten Aliens geradezu eine Notwendigkeit. Werden die nicht irgendwann anfangen, Raumschiffe zu bauen, und dann...
"Haben damals fremde, galaktische Völker die Erde besucht?
Haben sie Menschen von der Erde zu den Sternen mitgenommen und wenn ja -
warum haben sie das getan?
(Professor Arthur Common im Strom seiner Vermutungen)
Conway Morris:
... müssten sie längst hier sein, meinen sie? Weil wir doch sicher genau in ihr Suchraster passen?
Der Spiegel:
Sie sagen es.
Conway Morris:
Was sie da einwenden, ist das klassische Paradoxon, das einst der Physiker Enrico Fermi formuliert hat. Und ich antworte Ihnen schlicht: Weil die Aliens bisher nicht hier sind, gibt es sie wohl nicht.
Der Spiegel:
Wieso nun das? Haben Sie nicht bisher die ganze Zeit versucht, uns vom Gegenteil zu überzeugen?
Conway Morris:
Ja, es mag paradox klingen - wobei es natürlich jederzeit passieren kann, dass einer von uns plötzlich ruft: "Oh, da ist ein Raumschiff am Himmel", und wir müssten dieses Interview abbrechen -, aber solange wir hier keinen Besuch aus dem All bekommen, scheint mir die überzeugendste Erklärung, dass erdähnliche Planeten eben doch extrem selten sind.
Der Spiegel:
Es gibt immerhin Berechnungen, denen zufolge allein in unserer Milchstraße 50 Millionen bewohnbare Planeten existieren könnten.
Conway Morris:
Das hängt sehr davon ab, was man alles berücksichtigt. Es könnte durchaus sein, dass zu einer dauerhaften Bewohnbarkeit eben doch viel, viel mehr gehört, als wir zunächst glauben. Man nehme zum Beispiel die Präsenz des Mondes, der unsere Ekliptik stabilisiert, oder die des Jupiters, der sozusagen wie ein Torwart große Brocken abfängt, die uns andernfalls treffen würden. Plattentektonik, ausreichend Wasser, Vulkane, die Gase in die Atmosphäre blasen: All das ist nötig, um wirklich dauerhaft Leben zu ermöglichen - und möglicherweise noch viel, viel mehr.
Der Spiegel:
An dieser Stelle findet der Zufall dann doch seinen Platz in Ihrem Weltbild?
Conway Morris:
Ja, möglicherweise verdanken wir es tatsächlich nur einem Unfall, dass sich hier auf der Erde alles so unverschämt gut fügt.
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Tja Leute, schlechte Zeiten für Exoterristen , Ufos und grüne Monster! Das Schlusswort spricht deshalb Oberst Jason:
"Theorie - weiter nichts!"
(Obertst G. Camiel Jason im "Strom der Unendlichkeit")
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Entdeckt von:
MIMIZON
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07-08-2004
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